1.3 Tiefgründig - und doch nur oberflächliche Fassade?

Dieser Text hängt stark mit dem Text "1.1 Tiefgründig sein? Warum?" zusammen wie auch mit dem Text "1.2 Aktivität und Passivität". Daher rate ich, alle 3 Texte nach der Reihenfolge durchzulesen.

In diesem Text befasse ich mich mit Gedanken von mir im Bezug auf Oberflächlich- und Tiefgründigkeit. 

Ich dachte früher immer, dass das was ich tue mit dem was ich wirklich bin nichts zutun hat und es deswegen zumindest keine große Rolle spielt im Bezug darauf, ob ich tiefgründig oder oberflächlich bin. Allerdings merke ich in der letzten Zeit, dass das was ich tue letzendlich ja zeigt ob ich oberflächlich bin oder nicht. Und wenn meine Taten das eben nicht zeigen, wie kann ich dann behaupten tiefgründig zu sein?

Diese 2 Dinge passen so nicht zusammen. Zwar weiss ich aus eigener Erfahrung, dass man da sehr wohl zweispurig Fahren kann, in dem man tiefgründig denkt, aber oberflächlich handelt.
Aber dieses Gedankengerüst fällt sofort zusammen wenn man den Punkt beachtet, dass jeder Tat vorher auch in 99% aller Fälle dementsprechende Gedanken vorweggehen, bevor die Tat dann umgesetzt wird.
Diese Tatsache bestreitet zwar nicht, dass diese Person sich keine tiefgründigen Gedanken macht, allerdings ist es Fakt, dass die Person sich oberflächliche Gedanken macht, wenn sie auch oberflächlich handelt, ob sie das will oder nicht. Denn unser Handeln beeinflusst unser Denken, genauso wie unser Denken unser Handeln beeinflusst.

So, wie kann ich nun behaupten ich sei tiefgründig, wenn ich aber überwiegend oberflächlich handle? Klar, ich weiss das der Teil der tiefgründigen Gedanken in mir im gegensatz zu den oberflächlichen überwiegt. Aber ich kann doch nicht wirklich behaupten, dass ich tiefgründig bin, wenn ich nur ab und zu so denke.

Ich müsste es anders formulieren, nämlich so: "Ich habe das Potenzial tiefgründig zu sein, aber bin so oft oberflächlich vom Denken und vom Handeln her, dass ich es mir nicht anmaßen kann zu sagen, tiefgründig zu sein, selbst wenn ich oft so denke."

So, nur woran mache ich nun fest, ob ich wirklich tiefgründig bin oder nicht? Ich denke das es da keine generelle Regel für gibt, allerdings kann man das denk ich sehr gut an sich selbst festmachen.

- Lasse ich es zu, dass Leute mich hinterfragen und zwar in jeglichen Bereich         hinein?

- Denke ich wirklich über mein Handeln nach und entscheide ich mich mehr für       das Richtige als für das Falsche?

- Kämpfe ich mich durch Situationen auch über längere Zeiträume hindurch, um
  wirklich Dinge in mir zu verändern, oder falle ich stetig immer wieder in die
  gleichen Verhaltensmuster zurück ohne mich wirklich zu verändern?

- Erkenne ich, dass ich sehr viele grundlegende Dinge alleine gar nicht schaffen
  kann und dafür die Hilfe von anderen brauche oder versuche ich alles allein zu
  bewälltigen?

- Tue ich etwas dafür um tiefgründiger zu sein oder ist das einzige was ich
  wirklich tue, nachzudenken ohne diese Gedanken in Taten umzusetzen?

Diese Liste könnte man jetzt fortsetzen. Allerdings wollte ich nur ein paar wichtige Punkte nennen, welche ich als besonders bedeutend ansehe.
Es geht mir hier nicht darum ein Idealbild von Oberflächlichkeit zu schaffen, oder sonstige Maßstäbe zu legen, was ich auch überhaupt nicht kann.

Es geht mir nur darum, ob wir wirklich sagen können das wir tiefgründig sind, wenn die oberflächliche Seite in uns jedoch die Überhand hat? Egal worüber wir alles nachdenken, was wir hinterfragen und wie toll wir denke erkennen die andere nicht sehen..... sind wir wirklich tiefgründig, wenn wir all diesen Gedankenprozessen keine konkreten Taten folgen lassen? Und sind wir wirklich tiefgründig, wenn wir unsere Taten nicht verändern, sondern nur "scheinbar" an unserem Denken arbeiten?

Ich denke das nicht, weil eben nur halbe Sachen gemacht werden. Das heisst jetzt nicht, dass jemand, der tiefgründig ist, immer alles richtig tut und denkt. Es bedeutet nur, dass dieser jenige an sich arbeiten will und auch bereit dazu ist, sein denken, sowie seine Taten zu verändern. Und eben das wollen die meisten nicht... ihre Taten ändern.
Denn das Denken "scheinbar" zu ändern, ist nicht so schwer, wie das letztendliche Umsetzen dieser Gedanken.

Daher spiegelt sich auch letztendlich in den Taten die Tiefgründigkeit eines Menschen wieder.
Die Frage ist nur.... wollen wir tiefgründig sein? Und wenn wir da auf keinen grünen Zweig kommen, wollen wir das wohl nicht. Allerdings dürfen wir uns dann auch nicht als solche betiteln.


09.11.2009 by Pleck

 
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