Resignieren - Sich abfinden mit dem geistigen Stillstand


Ich finde das Thema Resignation genauso schockierend wie, leider auch, aktuell. Mein Gefühl ist, dass immer mehr Menschen anfangen zu resignieren. Sie gelangen durch verschiedene Umstände oder sich selbst in bestimmte Situationen oder Veränderungen hinein und geben sich zum Teil wirklich damit "zufrieden.

Das Wort zufrieden passt in Wirklichkeit eigentlich nicht dahin, daher steht es in ". Allerdings macht es auf mich den Anschein, als wären viele resignierende Menschen wirklich "zufrieden" damit. Oft sehen diese Menschen dann jedoch nicht, wie sehr sie in wahrheit sich selbst und anderen damit Schaden zufügen.

Ich kenne resignierendes Verhalten auch von mir. In einigen Dingen habe ich früher gewisse Zeiten lang auch sehr stark resigniert, mich einfach mit ihnen "zufrieden" gegeben. Doch war dies ein eindeutiger Trugschluss. Auf die dauer macht einen das "Stillstehen" fertig und man geht daran stark zugrunde.

Vergleichbar ist das für mich, als stände man am Fuße eines Berges und sieht oben eine Schneelawine auf sich zukommen, die allerdings noch weit entfernt ist. Und dann denkt man sich, dass diese Lawine einen sowieso einholen wird, sodass man garnicht erst versucht, zu entkommen.

Aber wie kann das sein? Wie kann es passieren, dass wir uns mit Dingen wirklich "abfinden", die uns solchen Schaden zufügen? Ich glaube nicht, dass wir Menschen uns damit wirklich "abfinden", selbst wenn wir behaupten, dass wir an der Situation eh nichts mehr ändern können und somit entscheiden, nichts dafür zutun. Ich denke das dies eine sehr große Selbstlüge ist. Klar, es gibt Menschen, die leben so dauerhaft unter so schlechten äußeren und inneren Umständen, sodass sie nach und nach die Hoffnung auf Besserung aufgeben. Aber selbst dann verstehe ich es nicht, wie man immer weiter in diesem tiefen Loch verharren kann ohne sich zu rühren?

Ich halte Resignation für sehr sehr gefährlich. Begeben wir uns in diesen Zustand, denken wir Dinge wie:

- "Ich schaffe das eh nicht, also wofür weiterkämpfen?"

- "Ich hab mich schon so sehr angestrengt und es ist doch nichts bei rumgekommen, also wieso weiterhin umsonst      anstrengen?"

- "Ich schaffe es doch eh nicht, mich zu verändern."

- "Niemand hält zu mir, also wofür noch?"

- "Es ist eh schon zu spät um nun noch etwas umreißen zu können."

- "Niemand versteht mich, also lohnt das weiterkämpfen nicht."

- "Es hat eh keinen Sinn mehr."

usw.

All diese Gedanken sind äußerst zerstörerisch und verheerend für einen selbst. Ich meine, wo soll es hinführen, wenn wir schon damit anfangen, einfach das Handtuch zu werfen?

Gerade in Bereichen, die unser eigenes Verhalten und unsere Gedanken betreffen, beginnen wir sehr schnell stillzustehen und nicht ans vorankommen und verändern zu denken. Wir sehen nur auf die schlechten Erfahrungen und fragen uns, wofür wir den, vielleicht schon endlos angegangen Versuch uns zu ändern, noch einmal wagen sollten? Und dann bleiben wir stehen..... und dann passieren erst die wirklich schlimmen Dinge:

Wir rechtfertigen dies gegenüber denen, die uns für unsere "Nichtveränderung" kritisieren oder uns versuchen, wachzurütteln! Wir sagen dann Sachen wie:

- "Entweder du akzeptierst mich so wie ich bin, oder du lässt es einfach."

- "Du verstehst mich sowieso nicht!"

- "Du würdest genauso reagieren wenn du ich wärst."

- "Du kennst meine Situation nicht, also kannst du das garnicht beurteilen."

usw.

Und so können wir uns dann ganz "gemütlich" in unserem Stillstand zurücklehnen ohne uns ändern zu müssen. Dabei sehen wir dabei nicht einmal, wie blind und unreif wir in diesem Verhalten eigentlich sind.

Ich emfpinde Resignation fast schon als Unverschämtheit. Wie kann man sein Potential, was jeder Mensch hat, einfach so in die Ecke stellen, ohne die zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen? Warum sind wir so uneinsichtig im Bezug auf uns und verlangen dann auch noch, dass die anderen uns entweder verstehen oder einfach akzeptieren wie wir sind?

Resignation ist ein sehr umfassender Wiederspruch in uns selbst. Wir "meinen" uns damit "abzufinden" aber in wahrheit fressen die Konsequenzen aus unserem Verhalten jeden Tag an unserem Verhalten, unseren Kräften und unseren Gedanken. Sie zieht uns runter und verschließt uns gegenüber Neuem.

Aber wieso passiert das alles? Warum geraten wir überhaupt in die Situation, dass wir sagen "Es ist so wie es ist und daran kann ich auch nichts ändern!"? Ich kann das nur mit extremen Egoismus in Zusammenhang bringen. Wir sagen, dass wir nichts ändern können, weil wir dies in Wahrheit überhaupt nicht wollen. Wir sind einfach zu stolz, bequem und egoistisch, um einzusehen, dass wir in diesem und jenen Punkt sehr fehlerhaft und inkonsequent sind. Und so kommt es nicht zu einer Einsicht wie z.B. dem Gedanken: "Ja, ich habe eine Chance und die möchte ich nutzen um die schlechte Situation zu verändern."

Nur leider sind wir so verblendet, wenn wir erstmal in der Resignation stecken, sodass wir garnicht mehr empfänglich sind für solche konstruktiven Gedanken. Wir haben uns dann oft schon zu tief in dieses Loch begeben. Und das was dann folgt ist absehbar: Der große "Absturz". Wir fangen an uns den Dingen hinzugeben, die unsere "Ventile" für Extremsituationen sind. Ob dies Drogen oder Alkohol, extremer Rückzug in die eigenen vier Wände, übermäßiger Internet- und Spielkonsum, irgendein selbstverletzendes Verhalten usw. ist, spielt keine Rolle.

Am "Ende" geht es einfach nur Bergab und wir versinken noch tiefer in alledem. Dann werden wir verbittert, werden aggressiv in unserer Kommunikation gegenüber, meist allen Menschen (zumindest wenn es um Themen geht, die uns und unsere Defiziete betreffen) und fallen immer tiefer, bis hin zur gänzlichen Depressivität.

Ich habe es bisher nur in den seltensten Fällen erlebt, dass Menschen sich haben wachrütteln lassen von ihren Freunden oder Verwandten, die ihnen am nächsten stehen. Meist schotten wir uns ab und wollen von alledem nichts wissen. Wir fühlen uns im Recht und glauben dann, dass die anderen uns einfach nicht verstehen. Und so geraten wir immer tiefer in den Kreis der Selbstzerstörung, den wir nur leider nicht als solchen erkennen.

Nur was können wir tun, wenn wir in diesem Loch sind, ohne herauszukommen? Eigentlich wollen wir dann meist nichts tun. Und somit fallen mir auch nur Gedanken dazu ein, was Außenstehende tun können, um dem Resignierenden zu helfen:

Menschen, die resignierenden Freunden oder Menschen insgesamt nahestehen sollten einfach versuchen, diese niemals aufzugeben. Es ist wichtig, gerade dieses Thema immer wieder anzusprechen und dort nicht locker zu lassen. Denn wenn ein Freund im Bezug auf seinen resignierenden Freund denkt "Ich kann da eh nichts machen, weil er das nicht will.", so gerät derjenige selbst in die Resignation, aber halt "nur" im Bezug auf diese Person. Das ist allerdings auch sehr fatal, weil dann der Resignierende keine Chance hat, dass Leute ihm das Gegenteil seiner Gedanken wenigstens immer wieder, versuchen klarzumachen. So wird ihm also die Möglichkeit genommen, für den "Außstieg" aus der Resignation ermutigt zu werden (selbst wenn er dies nach außen hin garnicht will).

Ich habe es auch oft schwer, resignierenden Menschen immer wieder die Wahrheit vor Augen zu führen, eben aus den schon besagten Verhaltensweisen des anderen, wie u.A. auftrendes aggressives Verhalten mir gegenüber, wenn ich das Thema anspreche.

Natürlich riskieren wir damit, unsere Freunde, die stark resignieren, zu verlieren. Jedoch ist der Punkt: Wenn der andere uns als wahren Freund ansieht, dann wird er sich über kurz oder lang entweder entschuldigen oder versuchen, sich uns gegenüber wieder "normaler" zu verhalten. Auch wenn dies dann vielleicht nur im Bezug auf uns gilt, so ist dies schon ein Erfolg, wenn es dazu kommt, weil der andere ständig Feedback über sein Verhalten und sein Denken erfährt. Und das kann in einigen Fällen durchaus positive Resultate zur Folge haben.

Und wenn wir dann durch unsere offene Art Freunde verlieren.... dann haben sie uns wohl nie als richtige Freunde anerkannt. Denn wahre Freundschaften macht aus, dass man sich gegenseitig ernst nimmt, verzeihen kann, ehrlich ist und Kritik vom anderen zumindest überdenkt.

Daher sind die Außenstehenden wirklich mit im Boot, wenn es darum geht, den "Resignierenden" aus seinem Loch zu holen. Klar sind die Resignierenden am Ende selbst Schuld, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern. Aber ich weiss, dass ich lieber einen Freund verlieren würde unter dem Aspekt, dass ich wirklich alles versucht habe ihm zu helfen, als ihn zu behalten und ständig "Blätter" vor den Mund zu nehmen wenn wir miteinander reden. Und wie gesagt, sind es wahre Freunde, werden sie die Freundschaften mit den Außenstehenden auch nicht einfach "Wegwerfen".

Auf jeden Fall ist Resignation eine extrem gefährliche Sache, die einen sehr schnell und stark in die Tiefe reißen kann. Und lieber, wir versuchen eine Sache 1000 Mal und sie klappt nicht, als wenn wir gleich aufgeben nach dem zweiten oder dritten Mal. Denn selbst wenn manche Dinge nach dem 1000 Versuch nicht funktionieren, so wird es dennoch immer wieder Situationen geben, wo es eben nach dem X-ten Mal klappt! Und wenn wir dazu noch standhaft bleiben, entdecken wir plötzlich viel mehr solcher Situationen als wir es uns gedacht hätten.

Egal wer resigniert, wichtig ist, dass wir zuerst bei uns anfangen zu fragen und das wir es vermeiden, in Resignation zu geraten.

Dazu passende Texte sind: "Das Netz!", "Sich selbst belügen" und "Die Inkonsequenz"

 

11.06.2009 by Pleck

 
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